Es war einmal ...

 

Es war einmal ..

Photographie Paradiesmuehle um 1900

Foto: Photographie Paradiesmühle um 1900

 

Im Jahre 1664 ließ der hiesige Graf Jobst Hermann zur Lippe-Biesterfeld, ein Vorfahr des verstorbenen Prinzen Bernhard der Niederlande, in Biesterfeld eine Mühle errichten.

Vier davor geschaltete Teiche sollten die Mühle betreiben. Der oberhalb der Mühle gelegene Paradiesteich gehörte dazu.

Stolz wähnte er sich im Glauben im Recht zu sein, dies als Graf hier auch tun zu dürfen, doch hatte er nicht mit dem Groll des Paderborner Erzbischofs gerechnet, der hier im Lande seine Zustimmung zum Bau dazu geben mußte. So begab es sich alsbald, dass der Bischof seine Boten mit einer Batterie Soldaten sandte, die Biesterfelder Mühle „zu schleifen“. Innerhalb wenigerTage wurde die Mühle dem Erdboden gleichgemacht, alle Hölzer zerschlagen und auch das Wasserrad in Stücke gehauen, das nur noch die Grundmauern übrig blieben....

 

…und so kam es, daß der Bauplatz hundert Jahre wüst liegen blieb, bis der letzte Herr auf Biesterfeld, Graf Friedrich Carl August den Mut fand 1763 den Wiederaufbau der Mühle in Auftrag zu geben.

Am Martinstag, dem 10.November 1764 wurde die Mühle endlich fertig gestellt.

Der Bau der Mühle kostete damals 734 Thaler, 20 Groschen u. 4 Pfennige.

Die Mühle diente zunächst als Sägemühle zum Sägen von Holz, als Bohrmühle für die Herstellung von Wasserleitungsrohren aus Baumstämmen und natürlich als Mahlmühle zum Mahlen von Schrot und Korn.

Die Mühle wurde seit dieser Zeit an die jeweiligen Verwalter sogenannte Konduktoren der Domäne und Meierei Biesterfeld verpachtet, deren erster Müller der Amtsverwalter Gebser war.

1793 übernimmt Anton Müller mit seinem Sohn Dietrich die Mühle und bewohnt zwei Räume des alten Mühlengebäudes (heutiges Mühlenkontor und dahintergelegene Küchenkammer)

In dieser Zeit kommt erstmals der Name „Paradiesmühle“ auf, deren Name sich sowohl auf die „paradiesischen“ Arbeitsverhältnisse aufgrund der Gewerbefreiheit bezog, als auch, wie man richtig vermutet: Aufgrund der idyllischen Lage...

Ab 1833 führt der hiesige Tischlermeister Heinrich Topp die Mühle weiter, der erstmalig zusätzlich eine Ölmühle betreibt.

Neun Jahre später geht das Anwesen gegen eine Zahlung von 500 Thalern in Erbpacht an den Elbrinxer Ernst Christian Herbst über.

In dieser Zeit entsteht der in Bruchsteinfachwerk angelegte Vorbau (der, nach fast hundert Jahren, in 2004 wieder zum Vorschein kam).

Am 2.12.1847 wird die Mühle an den Müller Friedrich Warneke für 1200 Thaler verkauft.

Unter seiner Bewirtschaftung wird die Ölmühle weiter ausgebaut und eine neue Grützemühle in Betrieb genommen. (Drei sogenannte "Hausgeister" - einer an der Scheunenwand in der Drescheune, einer am Wasserfall und ein Hausstein in der Turbinenkammer zeugen heute noch von seinem Tun)

Nach dem Tode Warnekes verkauft seine Frau die Mühle 1867 für nunmehr 3200 Thaler an den Mosebecker Wilhelm Tegeler...

Doch schien der Kontrakt unter keinem guten Stern zu stehen; ein dunkler Schatten schwebt über dem Glück des jungen Müllers.: Zwei Jahre hiernach ertränkt sich sein Mühlenbursche Friedel aus Liebeskummer im Paradiesteich (man munkelte die Liebe zu einem jungen Mädchen aus wohlsituiertem Hause blieb ihm versagt) und zwei Monate später verstirbt der Müller qualvoll an einem hartnäckigen Lungenübel....

 

Ein großer Berg Schulden türmt sich vor der Witwe Tegeler auf und am 2. Weihnachtstag im Jahre 1870 entschließt sie sich schweren Herzens die Ehe mit dem Mühlenfachmann Heinrich Karl Wilhelm Specht aus Bodenwerder einzugehen, um den Untergang der Mühle abzuwenden.

(Ihr findet die Heiratsurkunde rechtsseitig am großen Fenster in der heutigen ‚Galerie’)

Endlich scheint das Glück wieder Einzug zu halten:

Unter der neuen Bewirtschaftung erblüht die Mühle zu neuem Leben:

Ein neues Wasserrad wird errichtet, bessere Mühlsteine angeschafft, ein Fuhrwerkbetrieb verbessert den Kundendienst.

Im Jahre 1887 wird durch den Bau und Betrieb einer Dampfmaschine zusätzliche Kapazität für den Mühlbetrieb geschaffen.

(Im heutigen Thekenraum zeugen guterhaltene Pläne an den Wänden hiervon).

In dieser Zeit geht das gesamte Mühlanwesen von Erbpacht in Privateigentum über.

Im Jahre 1908 versterben die Eheleute Specht kinderlos.

Der Neffe August Specht aus Niese übernimmt die Mühle.

In seiner Zeit wird 1922 die Dampfmaschine abgerissen, durch einen Elektromotor und schließlich durch einen Dieselmotor ersetzt.

Das bis 1928 betriebene oberschächtige Wasserrad wurde durch eine leistungsstärkere Turbine ersetzt und bis 1990 betrieben..

Mitte der 40er Jahre versterben August Specht und sein Sohn Friedrich in den Wirren des Zweiten Weltkriegs.

Die Mühle geht 1946 nach Heirat der Schwester Friedrichs, Luise Specht mit Fritz Hofmeister aus Rischenau in deren Besitz über und wird bis Anfang der 90er Jahre als Mühle und Genossenschaft für die Ortschaften um Rischenau betrieben (hier wurde alles für den landwirtschaftlichen Bedarf Notwendige vertrieben).

Nach dem Tode Fritz Hofmeisters im Jahre 1990 erbt sein Sohn Fritz-Jürgen die Mühle, während seine Tante, Emma Specht nunmehr als letzte „Müllerin in Rischenau“, das Anwesen weiter instand hält.

Im Jahre 2004 findet die Paradiesmühle Idealisten um den aus Berlin stammenden Betreibers Bodo Westerhove, welche die Paradiesmühle nach umfangreicher Restaurierung mit Hilfe vieler fleissiger Freunde der Allgemeinheit in Form eines neueröffneten Mühlengasthauses und Museums wieder zuführen.

Nach über 350 Jahren Mühlengeschichte wird die Paradiesmühle wieder zu neuem Leben erweckt ...

 

Quellen:

- Willi Gerking, Niese 2005

- Heimatland Lippe dgl.

- div. andere Autoren

- Urkunden

- Zeitzeugen