Mühlen-Technik

in der Paradiesmühle

 

Schon am Eingang der Alten Mühle werdet Ihr von alter Mühlentechnik empfangen:

 

Foto: Eingang Alte Mühle, rechts mit Mühlstein

 

Rechts vom Eingang der Alten Mühle ist einer der ganz alten Mühlsteine aufgestellt, mit deren Hilfe hier ursprüglich Korn vermahlen wurde -

 

und praktisch, wie die Lipper nunmal sind, wurde er als 'Pflasterstein' in der Scheune verwertet, wo wir ihn in 2005 wiederfanden ..

 

Aber tretet ein und schaut Euch um,

" Glück zu ! ",

wie die Müller traditionell grüßen:

 

 

Ihr betretet die "Walzenstube", das Herzstück der alten Korn- und Mahlmühle:

 

Walzenstuehle

Foto: Walzenstühle Eingangsbereich Alte Mühle

 

Hier empfangen Euch auf der linken Seite des Raumes die modernen Nachfolger des Mühlsteins, sogenannte

 

"Walzenstühle".

 

Der Walzenstuhl ist eine sehr massive und schwere Metallkonstruktion.

 

Durch das Sichtfenster der Maschine erkennt Ihr zwei geriffelte Stahlwalzen.

 

Foto: Blick in den Walzenstuhl

 

Wenn die Mühle in Betrieb ist, bewegen sie sich gegenläufig und zermahlen das von oben durch die Schütttrichter zugeführte Korn.

 

An der rechten Seite seht Ihr ein Stellrad.

 

Hiermit konnte man den Abstand zwischen den Walzen regulieren und hatte somit Einfluss auf die Feinheit der Vermahlung des Korns.

 

 

 

Der Vorgang des Vermahlens musste acht- bis zwölfmal (!) durchgeführt werden, bis das gewonnene Mehl die Konsistenz hatte, dass man es auch in der Küche nutzen konnte.

 

Das ist nicht so wie heute, wir gehen mal kurz zu 'Feinkost Albrecht' und kaufen uns nen Kilo Mehl Typ 405 und fangen mit dem Kochen und dem Backen an ..

 

Mehl Type 405

 

Nein!

 

Hier musste das Korn mehrmals durchgemahlen werden, damit man es in der Küche nutzen konnte.

 

 

Foto: Walzenstuhl mit Stellrad

 

 

In früheren Zeiten musste der Müller sogar in mühevoller Arbeit das Mahlgut in Säcke verpacken und wieder bis zum Dachboden schleppen ..

 

 

 

 

Aber das wurde schnell geändert:

 

Seht Ihr im Hintergrund eine Art von Balken mit Fenstern ?

 

 

 

Foto: Elevatorschacht mit Sichtfenster

 

 

 

Hierbei handelt es sich um Schächte, und in diesen Schächten befinden sich sogenannte Elevatoren ..

 

 

Rechts neben der Hammermühle könnt Ihr sie sehen:

 

- Es waren 15 - 20 cm breite Leder- oder Jute-Riemen an denen eine Art Becher aus Metall oder Leder befestigt waren und die in diesen Schächten, wie ein PaderNoster oder wie ein Schaufelbagger, das Mahlgut bis zum Dachboden transportierten, sodass der Müller nicht mehr so viel schleppen musste ..

 

Bild: Elevator

 

Übrigens, der Walzenstuhl in der Mitte ist weit über 100 Jahre alt.

 

Ihr erkennt das am Typenschild, wo der Kreis Kassel noch mit "C" geschrieben wurde!

 

 

Foto: Typenschild Walzenstuhl

 

 

Die Firma Fürmeyer & Witte gibt es heute nicht mehr, aber ihre Maschinen und Geräte wurden für die "Ewigkeit" gebaut,

 

naja ok, .. .. ..

 

- zumindest für mehrere Generationen -

 

denn diese hier, waren immerhin noch bis Anfang der 90er Jahre in Betrieb !

 

 

Ganz links im Raum steht eine Hammermühle.

 

 

 

Hammermuehle Paradiesmuehle

Foto: Hammermühle, Paradiesmühle

 

 

Diese Mühle ist 'nur' ca. 80 Jahre alt und man konnte mit ihr

 

* Getreide-Schrot

 

z.B. für Hühnerfutter oder Ähnliches herstellen und man konnte erstmals auch

 

* Pflanzen-Öl

 

mit ihrer Hilfe gewinnen [z.B. aus dem Vermaischen (feinem Zerkleinern) von Raps- oder Leinsamen].

 

Hierzu wurde die Ölsaat durch unterschiedlich feine Lochgitter geschlagen.

 

 

Foto: Typenschild Hammermühle

 

 

Diese Mühle wird heute noch in dieser Form produziert von der Firma Skiold,

 

 

eine kleine Episode nebenher:

 

"Guten Tag,

Die SB Hammermühle wird noch verkauft. In der Anlage finden Sie die Bedienungsanweisung - leider aber nur in englisch, da diese Mühle nur in Afrika und im Mittelost verkauft wird.

Ca. 1960-1980 wurden ganz viele Hammermühlen mit Keilriemen- oder Flachriemenantrieb nach Deutschland verkauft. Ich erinnere aber diese Farbe nicht. Somit rechne ich damit, dass diese Mühle weit vor 1973 geliefert wurde (damals bin ich in der Firma angefangen).

MfG
Anna Birgit Kondrup

Med venlig hilsen / Best regards

 

06.01.2020

 

  

 

Folgt uns nun ins obere Stockwerk der Alten Mühle:

 

 

Hier erwartet Euch gleich links neben der Treppe der imposante Koloss der alten Mehl-Mischmaschine, der sich durch das gesamte Gebäude der Mühle erstreckt:

 

 

Mehlmischmaschine Paradiesmuehle

Foto: Mehl-Misch-Maschine, Paradiesmühle

 

"Das Getreidekorn wird nicht mit einem Male zu Mehl vermahlen, sondern in mehreren Stufen. Infolgedessen entsteht während des Mahlprozesses Mehl unterschiedlicher Qualität und Zusammensetzung.

Der Müllermeister selbst stellt nun die gewünschte Mehlmischung sackweise zusammen.

Diese schüttet er in die Mehlmischmaschine, in der eine Kegelschnecke läuft, die oben einen größeren Durchmesser hat als unten:

 

 

Mehlmischmaschine

 

 

 

Diese Mehl-Mischmaschine ist auch weit über 100 Jahre alt und wurde von der alt eingesessenen heute noch existierenden Mühlenbaufirma Ruberg aus Nieheim/Westfalen hergestellt.

 

 

 

 

Diese Firma gibt es noch heute und sie produziert weiterhin seit vielen Generationen Mühlengeräte ...

 

Zeiten und Müller

 

"Das Mahlen in den Mühlen umfasste zwei Verarbeitungsgänge, die sich mehrfach wiederholen: Zerkleinern und Sieben.

 

Der Walzenstuhl verrichtet das Mahlen. Hierbei wird der Mehlkern in mehreren Arbeitsgängen schonend von den Schalenteilen gelöst.

 

Das dabei entstehende Gemenge wird zur Trennung auf einen Plansichter geleitet.

 

Die groben Teilchen, die noch nicht Mehl sind, werden mittels Pneumatik oder mechanischer Transportarten wieder auf den Walzenstuhl geleitet.

 

Ein Durchgang durch Walzenstuhl und Plansichter wird „Passage“ genannt.

 

Beim „Schroten“ werden die Körner durch Riffelwalzen aufgebrochen, beim „Auflösen“ (durch Glattwalzen) die Mehl- und Schalenteile voneinander getrennt und beim „Ausmahlen“ werden die letzten Mehlteilchen von der Schale abgelöst.

 

Das Korn durchläuft acht bis zwölf Passagen, bevor das Mehl von der Schale gelöst ist."

 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Walzenstuhl

 

 

Auf der rechten Seite der Etage entdeckt Ihr nun die

 

Die Windfege

 

Ein Gerät zum Reingen des Korns vor Verunreinigungen (Steinchen, Klumpem) oder anderen Samen.

Auch zum Trennen des Korns von den Spelzen genutzt:

 

 

Foto: Wind-Fege, Reinigungsmaschine, Paradiesmühle

 

Grob und einfach erklärt:

 

 

Stellt Euch in der oberen Rundung eine Bürstenwalze vor,

 

 

darunter eine Küchenreibe :

 

 

Hier wurde das Korn von dem gesamten Drumherum gereinigt ..

 

Wenn das auf dem Dachboden angekommene Vormehl durch das Rüttelsieb und den Sichter fiel und es endlich fein genug war, lief es schlußendlich durch diverse Schächte auf die sogenannte Abfüll- oder Absackbank. Das Mehl konnte jetzt in Säcke abgefüllt werden und ins Lager verbracht werden.

Foto: Abfüll- oder Absackbank, Paradiesmühle

 

Liebe Besucher,

 

 

hier endet nun leider unser Technikaufenthalt.

 

 

In der Dachstube befindet sich noch das "Rüttelsieb" und der "Sichter",

aber beides kann zur Zeit auf Grund fehlender Mittel nicht restauriert und der Öffentlickeit zugänglich gemacht werden.

 

Aber:

 

Wir arbeiten daran!

 

 

Zunächst Danke für Euer Verständnis!

 

Ganz zum Abschluss, für alle technisch Interessierten, seht Ihr auf dem nächsten Bild ein animiertes Funtionsdiagramm der Klostermühle Heiligenrode , welches uns freundlicherweise von Herrn Rudolph Franke zur Verfügung gestellt wurde.

 

 

Hier wird sehr anschaulich der Mühlenbetrieb und das Zusammenspiel einiger hier vorgestellter Geräte in seinen einzelnen Schritten zusammenhängend dargestellt:

 

Foto: Funktionsdiagramm der Klostermühle Heiligenrode

 

 

Wir freuen uns auf Euren Besuch!

Die Paradiesmühle in Rischenau

 

Anmerkung:

Während der regulären Öffnungszeiten ist der Einritt für Besichtigungen selbstverständlich frei!

 

Quellen: Klostermühle, Wikipedia u.u.u.